Ein Duft, der ins Reich
der Träume führt
Möglicherweise
ließe sich die Beruhigungs- oder Schlaftablette in so manchen Fällen
durch das Inhalieren bestimmter Düfte ersetzen – zu diesem Ergebnis
kommen Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und der Heinrich
Heine Universität Düsseldorf.
Im Tierexperiment fand die Arbeitsgruppe um den Geruchsforscher Prof.
Hanns Hatt heraus, dass der Duft der Pflanze Gardenia jasminoides die
gleiche beruhigende Wirkung haben kann wie häufig verordnete
Schlafmittel.
Beruhigungsmittel
wie Benzodiazepine oder Barbiturate entfalten ihre Wirkung über so
genannte GABA-Rezeptoren im Gehirn, die für das Gleichgewicht zwischen
Erregung und Dämpfung zuständig sind. Besonders hoch ist die Dichte der
GABA-Rezeptoren in Bereichen, die das psychische Befinden beeinflussen.
Wenn der körpereigene Botenstoff GABA an die Rezeptoren bindet, wird die
Erregung von Nervenzellen gehemmt. Arzneimittel wie Benzodiazepine oder
Barbiturate verstärken den dämpfenden Einfluss von GABA an den
Rezeptoren.
Die Wissenschaftler
aus Bochum und Düsseldorf haben nun für mehrere hundert Duftstoffe
geprüft, ob eine Wirkung auf die beschriebenen GABA-Rezeptoren besteht.
Im Tierexperiment wurde dabei ein besonders starker Einfluss des
Duftstoffs Vertacetal-coeur festgestellt. Dieser jasminartige Duft der
Gardeniapflanze verstärkte den Effekt der GABA-Botenstoffe auf die
Rezeptoren um rund das fünffache – und war damit ähnlich wirksam wie
verschiedene schlaffördernde Arzneimittel.
Auch andere
Arbeitsgruppen haben sich in den letzten Jahren mit dem Thema
Dufterleben und Schlaf befasst. Unter anderem führten Wissenschaftler
der Universitätsklinik Heidelberg eine Studie durch, bei der sie
freiwillige Teilnehmer im Tiefschlaf abwechselnd angenehmen (Rosenduft)
und unangenehmen Gerüchen aussetzten. Der unangenehme Duft beschleunigte
die Herz- und die Atemfrequenz – nach dem Aufwachen wurden überwiegend
negative Träume berichtet. Unter dem Einfluss des Rosendufts erinnerten
sich hingegen fast alle Teilnehmer an schöne Dinge aus dem Traumschlaf.
In diesem Sinne: Wir
wünschen Ihnen viele dufte Träume!
(Quelle: Sergeeva OA
et al. Fragrant dioxane derivatives identify β1 subunit-containing GABAA
receptors. J Biol Chem 2010; 285: 23985-93 / Presseinformation der
Ruhr-Universität Bochum) |